Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Podcast

WH24 Illusion

Do, 23.04.2026

In dieser Folge geht es zunächst auf eine Messe in Salzburg. Ricardo besucht die New Power Expo und bewegt sich dort zwischen echter Energietechnik, professioneller Inszenierung und einem angeblichen Wunderkraftwerk, das bei genauerem Hinsehen vor allem aus Behauptungen, Effekten und Hoffnung besteht. Das Romankapitel „Illusion“ zeigt sehr anschaulich, wie leicht sich Technik in eine Bühne verwandeln lässt, wenn nur die passende Geschichte dazukommt .

Danach schauen wir uns einen realen Fall an, bei dem aus Computern, Elektroden und pseudowissenschaftlicher Sprache ein lukratives Geschäftsmodell wurde: QXCI, EPFX, SCIO und die Welt der Bioresonanz. Dort geht es nicht nur um absurde Diagnosen, sondern auch um echte Schäden.

Im Abschnitt „Angewandter Zweifel“ bauen wir dann Schritt für Schritt unseren eigenen pseudowissenschaftlichen Scam. Mit den Zutaten aus den bisherigen Folgen entsteht der Karmonizer, ein elektronisches Karma-Korrekturgerät mit KI, App und maximalem Zukunftsversprechen. Das ist Satire, aber leider nur knapp.

Zum Schluss geht es um den Bias der Woche: Automation Bias. Also um die Tendenz, einem System mehr zu glauben als dem eigenen Urteil. Genau das verbindet das falsche Kraftwerk, den QXCI-Unsinn und unseren satirischen Karmonizer. Denn manchmal reicht ein Bildschirm, damit aus einer Behauptung scheinbar ein Befund wird.

Episodenbild: AnnushkaW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Die nutzlose Jury – Wie Steorn Wissenschaft spielte. TL;DR zu Folge WH19 „Urteil“

Do, 19.03.2026

Folge 19 führt uns noch einmal zurück zu Steorn, diesmal geht es um die angebliche wissenschaftliche Prüfung mit tiefen Einblicken in die Expertenjury, die den behaupteten Energieüberschuss des Magnetmotors untersuchen sollte. Die Ausgangslage: Eine Firma kündigt eine revolutionäre Technologie an, stellt eine hochkarätige Jury zusammen und erzeugt damit den Eindruck maximaler Transparenz und Seriosität. Dieser Eindruck zerfällt dann Stück für Stück.

Auch im Roman geht es um die Geschichte der Jury, hier bei Angus McKenna und seiner Firma Stiúir. Das Romankapitel ist nah an der realen Vorlage gehalten und begleitet Dr. Arthur Butterfield nach Edinburgh.

Die fiktionale ebenso wie die echte Jury bekam nie das, was sie eigentlich prüfen sollte. Statt eines funktionierenden Geräts wurden immer neue Verzögerungen, Ausreden und Ersatzvorführungen präsentiert. Ein angekündigter Motor kam nicht rechtzeitig an, andere Apparaturen liefen nicht, Termine platzten, und statt klarer Messungen wurde den Fachleuten schließlich ein improvisierter Versuchsaufbau mit angeblich interessanten magnetischen Effekten gezeigt. Auch dort lagen die Messwerte laut Jury unterhalb des experimentellen Rauschens. Der behauptete Überschuss wurde nie nachgewiesen. Damit wird aus der Jury statt einer Prüfinstanz ein Dekorationselement für Glaubwürdigkeit.

Der Obmann der Steorn-Jury, Dr. Ian MacDonald, erzählt von seinen Erinnerungen. Dabei entsteht ein Bild, das weit mehr erklärt als nur die technische Seite. Die Jury bestand aus qualifizierten Leuten mit sehr unterschiedlichen Haltungen: einige lehnten die Idee von Anfang an ab, andere waren offen, manche sogar überzeugt. Diese Mischung zeigt, dass außergewöhnliche Behauptungen bei Fachleuten nicht automatisch zu scharfer Ablehnung führen. Viele wollten erst einmal verstehen, was da vor ihnen liegt. Sie gingen also nicht auf Betrugssuche, sondern suchten nach einer technischen oder physikalischen Erklärung. Das ist wissenschaftlich ehrenhaft, macht aber auch anfällig für Zeitspiel, Nebelkerzen und Inszenierung.

Es entsteht der Eindruck, dass Steorn die Jury nie als Kontrollinstanz eingeplant hatte. Wäre es um echte Prüfung gegangen, hätte man der Jury ein Gerät gegeben, das funktioniert oder eben scheitert. Stattdessen wurden die Mitglieder hingehalten, bewirtet, herumgeführt und mit immer neuen Ankündigungen vertröstet. Selbst die berühmte Kinetica-Demonstration in London, die öffentlich als großer Moment angekündigt wurde, lief völlig an der Jury vorbei. Das ergibt nur dann Sinn, wenn die Jury vor allem als wissenschaftliche Kulisse dienen sollte.

Psychologisch interessant ist neben Sean McCarthys Verhalten auch, wie ein ganzes Team so lange mitziehen konnte, ohne dass etwas nach außen drang. Daraus entwickelt sich der zweite Schwerpunkt: Team Error. Gemeint ist kein einzelner Fehlschluss, sondern ein ganzes System sozialer und organisatorischer Fehlentwicklungen. In Teams können sich Irrtümer stabilisieren, statt korrigiert zu werden. Kompetenz auf einem Gebiet strahlt auf andere Bereiche aus, Autoritäten werden nicht hinterfragt, Harmonie wird wichtiger als Widerspruch, Verantwortung zerfließt im Kollektiv. Im Fall Steorn könnte genau das passiert sein: Sean McCarthy als charismatische Lichtgestalt, Beschäftigte und Beteiligte im gemeinsamen Hoffnungsmodus, niemand, der den entscheidenden Bruch vollzieht und sagt, dass hier vielleicht gar kein reales Gerät existiert.

Die Folge zeigt, dass angewandter Zweifel mehr braucht als nur Faktenprüfung. Wenn eine Gruppe gemeinsam hoffen will, wenn Hierarchien funktionieren und wenn Widerspruch sozial teuer ist, dann reichen einzelne richtige Einwände oft nicht aus. Dann braucht es Strukturen, die Zweifel ausdrücklich erlauben, Widerspruch belohnen und Verantwortlichkeiten klar machen. Sonst kann ein ganzes Team einen kollektiven Irrtum für Realität halten.


Fehlschluss der Woche: Team Error

Heut gibt es mehr als einen einzelnen klassischen Fehlschluss, nämlich ein Bündel gruppendynamischer Fehlmechanismen. Dazu gehören Halo-Effekt, Autoritätshörigkeit, Groupthink, Verantwortungsdiffusion und ähnliche Muster. Gemeinsam erzeugen sie eine Situation, in der Teams Fehler nicht mehr korrigieren, sondern verstärken. Das ist besonders gefährlich, weil der kollektive Irrtum dann wie zusätzliche Bestätigung wirkt. Wenn viele mitmachen, fühlt sich die Sache plausibler an, selbst wenn die Belege fehlen.


Die wichtigsten Punkte der Folge

  • Die Steorn-Jury bekam nie ein funktionierendes Gerät zur Prüfung.
  • Die Jury diente vor allem als Kulisse für wissenschaftliche Glaubwürdigkeit.
  • Fachleute suchen oft zuerst nach einer plausiblen Erklärung, nicht nach Täuschung.
  • In Teams können Irrtümer durch Hierarchie, Harmonie und diffuse Verantwortung stabil werden.
  • Angewandter Zweifel muss deshalb auch Gruppenprozesse prüfen, nicht nur Behauptungen.

Diese Folge zeigt, wie Wissenschaftlichkeit imitiert werden kann, ohne dass Wissenschaft tatsächlich stattfinden darf. Das Scheitern liegt dann nicht nur im Gerät, sondern im ganzen Arrangement.

WH19 Urteil

Do, 19.03.2026

2006 schaltet die irische Firma Steorn eine Anzeige im Magazin The Economist. Die Behauptung: Eine neue Technologie könne Energie ohne Ende erzeugen. Um Zweifel auszuräumen, lädt das Unternehmen eine internationale Jury aus Wissenschaftlern und Ingenieuren ein, die das System unabhängig prüfen soll. In dieser Folge geht es um genau diese Jury.

Am Anfang steht ein kurzer Blick in das Kapitel „Urteil“ aus dem Roman Ware Hoffnung. Dort begleitet der Leser eine Gruppe von Experten nach Edinburgh, die prüfen sollen, ob an der spektakulären Behauptung etwas dran ist.

Anschließend rückt die reale Geschichte in den Mittelpunkt. Ich stelle Dr. Ian MacDonald vor, den Vorsitzenden der tatsächlichen Steorn-Jury. Nach Ablauf der Geheimhaltungsfrist sprach er erstmals ausführlicher über die Arbeit der Kommission. Seine Antworten geben einen seltenen Einblick in den Ablauf der Evaluation: Was der Jury tatsächlich gezeigt wurde, welche Versprechen gemacht wurden – und warum die Prüfung schließlich in einem einzigen knappen Satz endete.

Dabei zeigt sich ein Muster, das auch ohne tiefes technisches Wissen erkennbar ist. Versprechen, Verzögerungen, Demonstrationen, die nie wirklich überzeugen, und ein Projekt, das trotzdem immer weiterläuft.

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Erich von Däniken und die Macht der Lücke – Warum gute Geschichten oft stärker wirken als Forschung. TL;DR zu Folge WH17 „Überzeugung“

Do, 05.03.2026

Folge 17 kreist um ein Thema, das weit über schiefe Außenseiterfiguren hinausgeht: Überzeugung. Im Hintergrund steht im Roman Matthias Huber, der sich als Teil einer Wahrheitsbewegung erlebt, Chemtrails dokumentiert und an einem Wunderkraftwerk festhält, obwohl daran nichts funktioniert. Er erscheint nicht als exotischer Einzelfall, sondern als zugespitzte Version eines sehr menschlichen Musters: der Wunsch nach Klarheit, Zugehörigkeit, Bedeutung und dem Gefühl, über ein besonderes Wissen zu verfügen.

Von dort führt die Folge zu Erich von Däniken, der dieses Bedürfnis über Jahrzehnte bedient hat wie kaum ein anderer. Seine Prä-Astronautik erzählt die Vergangenheit als großes Geheimnis neu: Götter werden zu Außerirdischen, alte Texte zu Raumfahrtberichten, Bauwerke zu Spuren fremder Besucher. Die Attraktivität dieser Erzählung liegt nicht nur in ihrer Exotik. Sie liefert Staunen, Wiederverzauberung der Welt und das Gefühl, hinter die offizielle Fassade blicken zu können. Wer sich darauf einlässt, gehört zur wissenden Minderheit und darf glauben, dass die etablierte Wissenschaft blind für das Offensichtliche ist.

Weiterhin zeigt die Folge, dass von Däniken gerade keine Forschung betrieb. Während wissenschaftliche Arbeit mit Beobachtung, Datensammlung, Hypothesenbildung, Prüfung und Widerlegbarkeit beginnt, funktioniert seine Methode umgekehrt. Er nimmt einzelne Bilder, Texte oder Bauwerke, baut daraus Szenarien mit Formulierungen wie „Stellen wir uns vor“ oder „Nehmen wir an“ und erzeugt so eine Erzählung, die plausibel klingt, ohne methodisch belastbar zu sein. Wenn Einwände kamen, zog er sich oft zurück und behauptete, nichts fest behauptet zu haben. Es könne ja nur so gewesen sein. So bleibt die Geschichte beweglich und schwer angreifbar.

Besonders aufschlussreich ist dabei die Analyse seiner rhetorischen Technik. Von Däniken häufte Indizien an, sprang schnell von Bild zu Bild, verband historische Orte, religiöse Texte, große Namen und astronomische Begriffe zu einem dichten Gesamtgefühl. Jede einzelne Behauptung wäre für sich genommen oft schwach oder leicht überprüfbar. In der Masse entsteht jedoch ein Sog. Das Publikum bekommt nicht einen Beweis, sondern ein Weltbild angeboten. Und dieses Weltbild wirkt umso stärker, weil es eine vertraute Struktur hat: Es ist im Kern moderne Mythologie mit Raumfahrtsymbolik.

Damit folgt die Prä-Astronautik dem Muster des „Gottes der Lücke“. Wo Wissen fehlt oder historische Prozesse kompliziert erscheinen, wird die Lücke mit einer bevorzugten Erklärung gefüllt. Früher war es Gott, hier sind es Außerirdische. Die Frage, ob damit wirklich etwas erklärt wird, tritt in den Hintergrund. Wichtig ist nur, dass die Leerstelle verschwindet und das Bedürfnis nach Ordnung befriedigt wird. Auf diese Weise werden ungelöste Fragen nicht offen gehalten, sondern sofort mythisch besetzt.

Ein weiterer Gedanke der Folge ist die Frage, warum Wissenschaft solchen Erzählungen oft so wenig entgegensetzen kann. Der Grund liegt nicht in Schwäche oder Gleichgültigkeit, sondern in der Asymmetrie des Aufwands. Eine spektakuläre Behauptung ist schnell aufgestellt. Ihre saubere Widerlegung braucht Zeit, Fachwissen und Quellenarbeit. Dazu kommt, dass nüchterne Korrekturen selten dieselbe Aufmerksamkeit bekommen wie sensationelle Geschichten. Wer widerspricht, verstärkt oft noch die Sichtbarkeit der ursprünglichen Behauptung. Schweigen wiederum wirkt wie Zustimmung. Dadurch können pseudowissenschaftliche Narrative lange überleben.

Am Ende führt die Folge wieder zu einer konstruktiven Frage zurück: Wie kann kritisches Denken emotional konkurrenzfähig werden? Wenn Mythen mit Staunen, Zugehörigkeit, Exklusivität und Spannung arbeiten, dann reicht es nicht, nur trockene Fakten dagegenzustellen. Die Alternative müsste dieselben menschlichen Bedürfnisse aufgreifen, aber in eine andere Richtung lenken: als gemeinsame Spurensuche, als Detektivgeschichte, als spielerisches Prüfen statt bloßes Belehren. Kritisches Denken wäre dann kein kalter Gegenentwurf zum Mythos, sondern selbst eine Form spannender Welterkundung.


Fehlschluss der Woche: Argumentum ad ignorantiam

Der Fehlschluss der Folge heißt Argumentum ad ignorantiam, also das Argument aus Unwissenheit. Gemeint ist das Muster, eine Behauptung für wahr zu halten, weil sie nicht widerlegt wurde, oder eine andere Erklärung nur deshalb abzulehnen, weil sie noch unvollständig ist. Eine Lücke im Wissen wird dabei direkt mit einer beliebigen Wunsch-Erklärung gefüllt. Genau das passiert bei von Däniken ständig: Wenn unklar ist, wie etwas im Altertum entstanden ist oder wenn eine Erklärung kompliziert erscheint, treten sofort Außerirdische auf den Plan. Die offene Frage wird damit nicht beantwortet, sondern nur erzählerisch besetzt.


Die wichtigsten Punkte der Folge

  • Überzeugung entsteht oft aus dem Bedürfnis nach Klarheit, Bedeutung und Zugehörigkeit.
  • Erich von Däniken liefert keine Forschung, sondern eine wissenschaftlich klingende Mythenerzählung.
  • Prä-Astronautik funktioniert über Lückenfüllung, Inszenierung und das Gefühl exklusiven Geheimwissens.
  • Wissenschaftliche Widerlegung ist aufwendig und medial meist schwächer als die Sensation.
  • Kritisches Denken muss attraktiver, spielerischer und emotional anschlussfähiger werden, wenn es mit solchen Erzählungen konkurrieren soll.

Diese Folge zeigt, dass Pseudowissenschaft selten nur aus falschen Behauptungen besteht. Meist liefert sie etwas, das Menschen dringend haben wollen: Orientierung, Staunen und eine Geschichte, in der alles zusammenpasst.

WH17 Überzeugung

Do, 05.03.2026  >   2 Kommentare

Überzeugung fühlt sich gut an. Sie gibt Orientierung, Sinn und das Gefühl, zu denjenigen zu gehören, die „verstanden haben, was wirklich los ist“. Genau deshalb können starke Geschichten manchmal überzeugender wirken als gute Belege.

Die Romanfigur Matthias Huber analysiert Bilder, sucht Muster und ist überzeugt, einer großen Wahrheit auf der Spur zu sein. Seine Denkweise ist kein exotischer Sonderfall. Sie zeigt Mechanismen, die in uns allen wirken.

Von dort führt der Weg zu einem der erfolgreichsten Autoren pseudowissenschaftlicher Literatur: Erich von Däniken. Seine Bücher über Astronautengötter haben weltweit Millionen Leser gefunden. Warum üben solche Ideen eine so große Faszination aus?

Ein Bericht über einen echten von-Däniken-Vortrag liefert die Antwort. Hunderte Zuhörer erleben dort eine beeindruckende Kaskade aus historischen Orten, religiösen Texten, geometrischen Mustern und wissenschaftlich klingenden Begriffen. Jede einzelne Behauptung wirkt wie eine interessante Anekdote. Erst die Wucht der Menge erzeugt das Gefühl, eine große Wahrheit entdeckt zu haben.

Doch genau hier lohnt sich ein genauerer Blick. Welche rhetorischen Techniken kommen zum Einsatz? Warum geraten Wissenschaftler in ein Dilemma, wenn sie auf solche Behauptungen reagieren? Und weshalb ist es manchmal schwerer, Unsinn zu widerlegen, als ihn zu behaupten?

Zum Schluss zeigt die Folge, wie spielerisch angewandter Zweifel funktionieren kann. Kritisches Denken muss kein trockener Korrekturmechanismus sein. Es kann genauso Neugier, Staunen und Entdeckerlust wecken.

Oder anders gesagt: Gute Fragen können spannender sein als schnelle Antworten.

Episodenbild: Blender-Nachbau des Buchcovers The Spaceships of Ezekiel, Josef F. Blumrich, von @Impertinenzija@mastodon.social

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Die Maschine, die nie lief – und warum man trotzdem an sie glauben wollte. TL;DR zu Folge WH15 „Auftrag“

Do, 19.02.2026

Im Romankapitel „Auftrag“ steht diesmal nicht der Erfinder im Vordergrund, sondern Alexander Weier, der für Gerd Olaf Wagner die passende Fassade baut. Alte Berichte verschwinden aus dem Netz, problematische Spuren werden getilgt, neue Webseiten, Pressebilder und sorgfältig formulierte Texte erzeugen das Bild eines erfolgreichen Visionärs. Genau darin liegt die Pointe dieses Kapitels: Noch bevor es um Technik geht, wird erst einmal Glaubwürdigkeit produziert. Die angebliche Energie aus dem Kosmos erscheint nicht durch Belege plausibel, sondern durch Reputationsmanagement, Nobelpreisnähe, große Namen, moderne Grafiken und professionell vorbereitete Antworten auf kritische Fragen. So zeigt das Kapitel sehr klar, dass viele pseudowissenschaftliche Projekte nicht mit einer funktionierenden Erfindung beginnen, sondern mit einer Erzählung, die Vertrauen erzeugen soll.

Die Podcast-Folge springt danach in einen realen Fall, der mehr als hundert Jahre alt ist und trotzdem erstaunlich modern wirkt. Garabed Giragossian behauptete ab 1918 in den USA, eine Methode gefunden zu haben, „Energie ohne Grenzen“ nutzbar zu machen. Was genau diese Maschine tun oder wie sie funktionieren sollte, blieb lange unklar. Das hinderte jedoch weder Politiker noch Teile der Presse daran, sich von der Idee begeistern zu lassen. Die Versprechen waren gewaltig: billigere Transporte, weniger Kriegsaufwand, mehr Dünger, mehr Elektrizität, weniger Elend. Giragossian bot also nicht einfach eine technische Neuerung an, sondern eine Erlösungserzählung. Genau das machte ihn für den Kongress attraktiv.

Auffällig an diesem Fall ist, dass die Diskussion von Anfang an kaum technisch geführt wurde. Statt physikalischer Erklärungen gab es Empfehlungsschreiben, moralische Appelle, patriotische Rhetorik und die Versicherung, man habe nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Giragossian präsentierte sich als ehrlicher, aufopferungsvoller Erfinder, der nur zum Wohl der Menschheit handle und vor Patentdieben geschützt werden müsse. Die eigentliche Frage, ob die Maschine überhaupt existiert und funktionieren kann, trat dabei in den Hintergrund. Als schließlich Fachleute hinzugezogen wurden, zeigte sich schnell, dass kein funktionierendes Gerät vorlag. Später wurde klar, dass Giragossian einen simplen Denkfehler gemacht hatte: Er verwechselte Energie, Leistung und Kraft und deutete die kurzfristige Wirkung eines angedrehten Schwungrads als Hinweis auf eine grenzenlose Energiequelle. Damit war die technische Grundlage im Prinzip erledigt, politisch lief die Geschichte aber noch jahrelang weiter.

Die Folge arbeitet weiterhin heraus, warum diese Geschichte trotz klarer Widerlegung so langlebig blieb. Der Satz aus einem damaligen Bericht, man habe „nichts zu verlieren und alles zu gewinnen“, wirkt zunächst vernünftig, folgt aber einer gefährlichen Logik. Er erinnert stark an die Pascalsche Wette: Wenn der mögliche Gewinn unendlich groß erscheint, verlieren Wahrscheinlichkeiten an Bedeutung. Dann genügt schon die bloße Möglichkeit eines Wunders, um alle Einwände klein wirken zu lassen. Auf Giragossian übertragen heißt das: Wenn seine Maschine tatsächlich funktionieren würde, wäre der Nutzen gigantisch. Also erscheint es fast unverantwortlich, sie nicht zu unterstützen. Dass die Wahrscheinlichkeit extrem klein und die technische Grundlage bereits widerlegt war, verschwindet hinter der Größe des erhofften Gewinns.

Hier wird deutlich, dass Glaube an eine sensationelle Technologie nicht nur aus Dummheit oder Naivität entsteht. Oft reicht schon die Kombination aus Hoffnung, moralischem Druck und einem scheinbar geringen Einsatz. Sobald eine Geschichte groß genug klingt, wird sie politisch, psychologisch und sozial attraktiv. Der reale Schaden liegt dann nicht nur in Geld oder Zeit, sondern auch in der Verzerrung dessen, was als plausibel gilt.


Fehlschluss der Woche: Emotionsappell

Zum Schluss benennt die Folge den passenden Fehlschluss: den Emotionsappell. Dabei werden Gefühle gezielt angesprochen, um Zustimmung zu erzeugen, während Belege fehlen oder in den Hintergrund gedrängt werden. Im Fall Giragossian lief das über Hoffnung, Mitleid, Patriotismus, Verantwortungsgefühl und die Aussicht auf eine bessere Zukunft für alle. Das ist rhetorisch wirksam, sagt aber nichts darüber aus, ob die behauptete Maschine tatsächlich funktioniert. Hoffnung verändert keine Energiebilanz. Pathos ersetzt keine Physik.


Die wichtigsten Punkte der Folge

  • Das Romankapitel zeigt, wie Glaubwürdigkeit künstlich hergestellt wird, bevor überhaupt über Technik gesprochen wird.
  • Garabed Giragossian bot dem US-Kongress ein grenzenloses Energieversprechen ohne belastbare technische Grundlage an.
  • Empfehlungsschreiben, Moral und patriotische Rhetorik ersetzten die sachliche Prüfung.
  • Die Logik hinter der Unterstützung ähnelt Pascals Wette: ein riesiger möglicher Gewinn verdrängt die Frage nach der Wahrscheinlichkeit.
  • Der Emotionsappell macht große Versprechen politisch und psychologisch attraktiv, auch wenn die Belege fehlen.

Diese Folge zeigt sehr deutlich, wie aus einem simplen Irrtum eine politische und mediale Großgeschichte werden kann, wenn Hoffnung, Moral und Wunschdenken stärker wirken als Physik.

WH15 Auftrag

Do, 19.02.2026

In dieser Folge geht es um einen Fall, der wie gemacht ist für Ware Hoffnung: Garabed T. K. Giragossian tritt 1918 in Washington auf und verspricht eine Maschine, die Energie ohne Grenzen liefern soll. Der Zeitpunkt ist perfekt gewählt. Im Krieg zählt jedes Prozent Logistik, jedes Schiff, jede Tonne Brennstoff. Aus einer technischen Behauptung wird damit ein politisches Risiko-Spiel: Wenn es stimmt, verändert es alles.

Wir rekonstruieren, wie Giragossian überhaupt in den Kongress gelangte, wer ihn stützte und warum Charakterzeugnisse zeitweise mehr Gewicht hatten als Spezifikationen. Dann folgt der Moment, an dem die Geschichte Bodenhaftung bekommt: die wissenschaftliche Prüfung, das Urteil und die anschließende öffentliche Einordnung der Konstruktion.

Das Thema verschwindet danach allerdings nicht, es wandert in Gesetzestexte, Amendments und Senatsberichte und taucht Jahre später erneut auf. Genau hier zeigt sich, wie Institutionen, Prestige und Präzedenzfragen eine Legende am Leben halten können.

Im Segment „Angewandter Zweifel“ nutzen wir Pascalsche Wette als Denkmodell für strategische Entscheidungen. Als „Fehlschluss der Woche“ folgt der Emotionsappell: Giragossians Rhetorik arbeitet mit Pflichtgefühl, Hoffnung und Verlustangst. Zum Abschluss schauen wir darauf, wie aus dem Fall bis heute Verschwörungsmythen entstehen, inklusive der typischen Unterdrückungs-Erzählung.

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Das große Geheimnis – Wie eine Idee zur Bewegung wurde, ohne je zu funktionieren. TL;DR zu Folge WH13 „Geheimnis“

Do, 05.02.2026

Ein leeres Versprechen, eine perfekt inszenierte Erwartung und eine Geschichte, die sich von selbst weitererzählt. Das Kapitel „Geheimnis“ im Roman zeigt sehr präzise, wie eine technische Behauptung überhaupt erst zur Sensation wird. Angus McKenna muss an dieser Stelle noch nichts beweisen. Es reicht, eine Bühne zu schaffen, auf der andere ihre Erwartungen, Hoffnungen und Fantasien entfalten können. Die Anzeige, der Countdown, der Livestream, das Museumsambiente und die große Geste der angekündigten Revolution erzeugen eine Atmosphäre, in der das eigentliche Produkt fast zweitrangig wird. Entscheidend ist die Erzählung.

Der Rotor steht still, und trotzdem läuft die Geschichte weiter. Die Spannung entsteht nicht aus einer funktionierenden Maschine, sondern aus der perfekten Vorbereitung eines Wunders. McKenna versteht, dass Öffentlichkeit ein Verstärker ist. Sobald genug Menschen hinschauen, diskutieren und spekulieren, trägt sich die Inszenierung von selbst. Das Gerät im Glaskasten wird damit weniger zu einer Technologie als zu einem Projektionsschirm für Hoffnung, Größenfantasien und Sensationslust.

Die Geschichte von Angus McKenna beruht auf einem realen Fall: dem Magnetmotor der Firma Steorn.

Ein Magnetmotor wirkt auf den ersten Blick plausibel. Magnete ziehen sich an, stoßen sich ab, setzen Dinge in Bewegung. Die Vorstellung, daraus eine dauerhafte Energiequelle zu bauen, liegt nahe. Genau diese Plausibilität macht die Idee so anschlussfähig. Physikalisch ist die Sache eindeutig: Magnetfelder sind konservativ. Energie lässt sich darin speichern und wieder freisetzen, ein Überschuss entsteht nicht. Jede Konstruktion erreicht früher oder später ein Gleichgewicht. Bewegung klingt nach Energie, ersetzt aber keine Energiebilanz.

Trotzdem entstehen aus solchen Ideen immer wieder große Geschichten. Ein frühes Beispiel liefert Friedrich Lüling in den 1960er-Jahren. Seine Aussagen wirken präzise, technisch und visionär. Zahlen, Fachbegriffe und große Versprechen erzeugen ein Bild von Kompetenz. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen. Begriffe werden nicht erklärt, Zusammenhänge nicht belegt, Ergebnisse nicht überprüft. Diese Struktur taucht Jahrzehnte später erneut auf.

Die Firma Steorn aus Irland greift genau diese Idee auf und verpackt sie in eine moderne Inszenierung. Eine ganzseitige Anzeige, ein großes Versprechen, eine angebliche wissenschaftliche Prüfung durch eine Jury. Inhalt fehlt, Erwartung entsteht trotzdem. Medien greifen das Thema auf, Diskussionen beginnen, ein Forum bildet sich. Ohne belastbare Informationen beginnen Menschen, die Lücken zu füllen. Hypothesen entstehen, Modelle werden diskutiert, Zukunftsszenarien entworfen. Hoffnung und Skepsis stehen sich gegenüber, verstärken sich gegenseitig und halten die Geschichte am Leben.

Vorführungen verstärken diesen Effekt. Die erste Demonstration scheitert sichtbar. Technische Probleme liefern eine Erklärung, die Erwartung bleibt bestehen. Später folgen weitere Präsentationen, diesmal mit funktionierenden Aufbauten – und auffälligen Details wie sichtbaren Energiequellen, die nicht schlüssig erklärt werden. Es geht weniger um die Frage, ob das System funktioniert, sondern darum, wie es funktionieren könnte. Kritik führt zu neuen Erzählungen, Zweifel zu neuen Erklärungen. Die Geschichte passt sich an.

Ein wichtiger Punkt dieser Folge liegt in der Einordnung. Die Suche nach einer einfachen Erklärung liegt nahe. Betrug scheint offensichtlich. Gleichzeitig fehlen typische Merkmale: kein klares Geschäftsmodell, keine direkten Forderungen, keine eindeutige Gewinnstrategie. Die Situation wird komplexer.

Die Analyse durch Barry J. Whyte zeigt ein vielschichtiges Bild. Technologischer Optimismus, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, persönliche Überzeugungen, Gruppendynamik und kognitive Effekte greifen ineinander. Selbsttäuschung und Fremdtäuschung lassen sich kaum trennen.

Schnelle Urteile liefern Klarheit, greifen aber oft zu kurz. Mustererkennung führt zu plausiblen Erklärungen, die nicht zwingend vollständig sind. Der Wunsch nach eindeutigen Antworten erzeugt einfache Geschichten. Genau hier setzt angewandter Zweifel an. Er ersetzt Gewissheit durch Wiedervorlage. Beobachtungen bleiben vorläufig, neue Informationen führen zu Anpassungen. Überzeugungen verlieren ihren festen Status und werden zu Hypothesen.

Ein unscharfes Foto zeigt zunächst nur grobe Strukturen. Die Mustererkennung liefert eine erste Deutung. Mit zunehmender Auflösung verändert sich das Bild. Die ursprüngliche Interpretation kann sich bestätigen – oder als falsch herausstellen. Erkenntnis entsteht durch Anpassung, nicht durch Festhalten.

Diese Haltung verändert den Umgang mit solchen Fällen grundlegend. Weder Glaube noch pauschale Ablehnung liefern verlässliche Ergebnisse. Entscheidend bleibt die Bereitschaft, Modelle zu überprüfen und zu korrigieren.

Fehlschluss der Woche: Namedropping. Prominente Namen erzeugen Vertrauen.

Das Prinzip ist einfach: Bekannte Persönlichkeiten werden erwähnt, um Kompetenz, Nähe oder Bedeutung zu suggerieren. Die eigene Aussage gewinnt scheinbar an Gewicht, ohne dass sich ihr Inhalt verändert. Im Fall von Steorn zeigt sich das in Zitaten und Referenzen. Große Namen aus Wissenschaft und Geschichte schaffen einen Rahmen, in dem Kritik automatisch wie Widerstand gegen Fortschritt wirkt.

Der Effekt liegt in der Abkürzung. Autorität ersetzt Prüfung. Vertrauen entsteht schneller, Zweifel werden seltener formuliert. Die inhaltliche Qualität bleibt davon unberührt. Einordnung entsteht erst, wenn diese beiden Ebenen getrennt werden: Wer sagt etwas – und was wird tatsächlich gezeigt?


Die wichtigsten Punkte der Folge

  • Plausible Ideen können starke Erwartungen erzeugen, auch ohne belastbare Grundlage.
  • Inszenierung und Aufmerksamkeit treiben die Entwicklung solcher Geschichten.
  • Komplexe Fälle entstehen oft aus mehreren gleichzeitig wirkenden Faktoren.
  • Schnelle Urteile vereinfachen, erfassen aber selten das gesamte Bild.
  • Angewandter Zweifel bedeutet, Überzeugungen überprüfbar zu halten.

Diese Folge zeigt einen Wendepunkt. Nicht jede Täuschung folgt einem einfachen Plan. Und nicht jede Erklärung passt auf den ersten Blick. Erkenntnis entsteht dort, wo man bereit ist, das eigene Bild zu korrigieren.

WH13 Geheimnis

Do, 05.02.2026

Heute geht es um ein irisches Start-up, das Mitte der 2000er Jahre freie Energie versprach und weltweite Aufmerksamkeit erlangte. Die Geschichte dient als reales Fallbeispiel für das Zusammenspiel aus Technik, Hoffnung, Gruppendynamik und Kommunikation.

Ausgangspunkt ist ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Magnetmotors, ergänzt durch einen historischen Wochenschau-Beitrag. Anhand typischer Marker wird gezeigt, wie technische Versprechen inszeniert werden und warum sie überzeugend wirken. Diese Muster tauchen später bei Steorn erneut auf.

Im Zentrum der Folge steht die Chronologie von Steorn, basierend auf Barry J. Whytes Buch The Impossible Dream, ergänzt durch eigene Erlebnisse aus Foren, Diskussionen und direkten Gesprächen. Vom wirtschaftlichen Aufbruch des Celtic Tiger über die berühmte Economist-Anzeige bis zum Jury-Statement wird deutlich, wie sich Irrtum, Selbstüberschätzung, Druck und Eskalation gegenseitig verstärken können.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des angewandten Zweifels. Statt pauschaler Skepsis geht es um einen praktischen Werkzeugkasten aus Logik, Psychologie, Rhetorik und Technik. Ziel ist eine heuristische Einschätzung, die mit Wiedervorlage arbeitet und Komplexität zulässt.

Als Fehlschluss der Woche wird Namedropping behandelt. Prominente Namen erzeugen Vertrauen, ersetzen jedoch keine Evidenz. Die Folge zeigt, wie dieses Muster bei Steorn funktioniert und warum es so wirksam ist.

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Das Spiel mit dem Unmöglichen – Warum Menschen an das Perpetuum mobile glauben. TL;DR zu Folge WH05 „Spiel“

Do, 11.12.2025

In der fünften Folge von Ware Hoffnung tritt eine neue Figur auf: Angus McKenna. Anders als Sergio Masso ist er kein klassischer Blender mit wissenschaftlichem Anstrich, sondern vor allem eines – ein Spieler. Jemand, der den Nervenkitzel sucht und verstanden hat, dass sich mit der richtigen Geschichte mehr verdienen lässt als mit ehrlicher Arbeit.

Sein Projekt wirkt zunächst beeindruckend: eine Maschine, die sich scheinbar selbst antreibt. Keine komplizierten Formeln, keine schwer verständliche Theorie – nur ein Gerät, das läuft. Die Idee dahinter ist uralt: Ein Perpetuum mobile, also eine Maschine, die ohne Energiezufuhr ewig in Bewegung bleibt. Der Traum, Energie aus dem Nichts zu gewinnen, begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten. Doch die Physik ist eindeutig: Energie kann nicht aus dem Nichts entstehen. Trotzdem tauchen solche Ideen immer wieder auf.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass selbst kluge Menschen darauf hereinfallen können. Im 18. Jahrhundert präsentierte Johann Bessler ein Rad, das sich angeblich dauerhaft selbst drehte. Es wurde vor Publikum vorgeführt, unter Aufsicht untersucht und sogar von Gelehrten ernst genommen. Niemand durfte jedoch ins Innere sehen. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Technik, sondern die Inszenierung. Bessler verstand es, Vertrauen zu erzeugen – durch aufwendige Konstruktionen, durch Autoritäten, die ihn unterstützten, und durch das, was Menschen mit eigenen Augen zu sehen glaubten.

Genau dieses Prinzip nutzt auch McKenna. Seine Maschine muss nicht funktionieren. Sie muss überzeugend aussehen. Licht, Materialien, Bewegung – alles ist darauf ausgelegt, einen Eindruck zu erzeugen. Es ist kein technisches Gerät, sondern eine Bühne.

Warum funktioniert das so gut? Ein wichtiger Teil der Antwort liegt in unserer Wahrnehmung. Menschen neigen dazu, an dem festzuhalten, was sie einmal für möglich gehalten haben. Wer Zeit, Geld oder Energie in eine Idee investiert hat, gibt sie nur ungern wieder auf.

Hier greift ein bekannter Denkfehler: die Sunk-Cost-Fallacy. Je mehr investiert wurde, desto schwerer fällt es, einen Irrtum einzugestehen.

Dazu kommt der Bestätigungsfehler. Menschen suchen gezielt nach Informationen, die ihre Überzeugungen stützen, und blenden widersprüchliche Hinweise aus. In Foren, Videos und Communities verstärken sich solche Überzeugungen gegenseitig.

Ein weiterer Faktor ist die Selbstüberschätzung. Wer die Komplexität eines Problems unterschätzt, hält einfache Lösungen für plausibel – ein Effekt, der oft mit dem Dunning-Kruger-Phänomen beschrieben wird.

Diese Mechanismen erklären, warum sich der Traum vom Perpetuum mobile so hartnäckig hält.

Die Folge zeigt das auch an einem realen Beispiel: der Firma Steorn aus Irland. Sie behauptete, eine Technologie entwickelt zu haben, die mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht. Es gab Vorführungen, Investoren, mediale Aufmerksamkeit – aber keinen überzeugenden Nachweis.

Am Ende blieb vor allem eines übrig: enttäuschte Erwartungen.

Für die Geschichte im Roman bedeutet das: McKenna verkauft keine Maschine. Er verkauft ein Gefühl. Die Vorstellung, dass das Unmögliche vielleicht doch möglich ist.


Die wichtigsten Punkte der Folge

  • Das Perpetuum mobile widerspricht grundlegenden physikalischen Gesetzen.
  • Täuschungen funktionieren oft über Inszenierung, nicht über Technik.
  • Selbst kluge Menschen können durch überzeugende Vorführungen getäuscht werden.
  • Denkfehler wie Sunk-Cost-Fallacy und Bestätigungsfehler stabilisieren falsche Überzeugungen.
  • Hinter vielen solchen Projekten steht weniger Technik als ein Geschäftsmodell.

Die Folge zeigt, dass Täuschung selten mit einem offensichtlichen Trick beginnt. Sie entsteht dort, wo Hoffnung, Wahrnehmung und Erwartung zusammenkommen.