Ein Roman über Pseudowissenschaft
und kritisches Denken
Ulli Gerer
Ware Hoffnung
Blog

Esoterik für Männer: Der Magnetmotor

Sa, 05.08.2023

An meine ersten Experimente mit Magneten kann ich mich noch gut erinnern. Mein Vater brachte mir diese schwarzen Magnetstreifen mit, die in Kühlschranktüren verbaut sind. Je nachdem, wie man sie hält, ziehen sie sich an oder stoßen sich ab. Diese Kräfte sollten sich doch irgendwie nutzen lassen und so versuchte ich, Magnetstücke kreisförmig auf einer Scheibe anzuordnen und in eine Drehbewegung zu versetzen.

Das funktionierte natürlich nur so lange, wie ich einen weiteren Magneten am Rand der Scheibe bewegte. Eine völlig selbsttätige Bewegung war so nicht zu erreichen, wie ich bald feststellte.

Diese Erkenntnis hatten viele erwachsene Menschen bis heute nicht und so ist diese Konstruktion immer noch ein beliebtes Geschäftsmodell, um Leute mit mehr Geld als Hirn von ihrem Ersparten zu trennen.

Die ersten Aufzeichungen über eine derartige Konstruktion stammen aus dem Jahr 1269 von Petrus Peregrinus de Maricourt, der ein Rad beschrieb, das sich nur durch die Kraft von Permanentmagneten dauerhaft drehen sollte. Möglicherweise war das einfach nur ein Gedankenexperiment, das aber bis heute in Freie-Energie-Kreisen als Beweis gewertet wird, dass ein magnetbasiertes Perpetuum mobile funktionieren kann. Magnetismus ist, ebenso wie Gravitation, eine konservative Kraft. Es ist also nicht möglich, aus einem solchen Feld dauerhaft Energie zu ziehen.

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Die Sache mit dem Wasserauto

Mi, 26.07.2023

Einer der ersten Freie-Energie-Scams, die mir über den Weg gelaufen sind, war das Wasserauto. Das muss ca. 2003 gewesen sein. Zeitungen berichteten über einen Erfinder, der sein Auto nur mit Wasser betankt. Auto-Bild schickte sogar mehrmals Reporter nach Manila, um das Wunderwerk zu besichtigen, probezufahren und den Fortschritt der Entwicklung zu dokumentieren.

Die behauptete Funktionsweise eines Wasserautos sieht so aus:

Mit Hilfe der Batteriespannung wird ein Elektrolysator betrieben, der gewöhnliches Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Dieses Gemisch, in der Szene oft HHO oder Browns Gas genannt (in Wirklichkeit gewöhnliches Knallgas), wird dem Verbrennungsmotor als Treibstoff zugeführt. Über die Lichtmaschine wird die Batterie, genauer der Akkumulator, ständig aufgeladen.

Mir kamen die Behauptungen damals sofort sehr seltsam vor. Bei der Verbrennung des Knallgases entsteht Wasser. Also wäre es, glaubt man den Wassertoff-Tüftlern, doch kein Problem, dieses einzufangen und wieder in den Tank zu leiten. Schon hätten wir eine immerwährende Maschine, ein Perpetuum mobile, das ohne Zufuhr von Energie funktioniert und dabei auch noch Arbeit verrichten kann. Der Wirkungsgrad wäre also größer als 100%.

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